• Großer Preis von Deutschland 1957
  • 6 Lauf Automobil-Weltmeisterschaft 1957 (Formel 1)
  • Veranstalter: AvD
  • Nordschleife, 22.810 km
  • 22 Runden = 501,82 km

4. August 1957

Der Große Preis von Deutschland 1957 fand am 4. August 1957 auf dem Nürburgring statt, traditionell am ersten Wochenende im August, und war das sechste Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1957.

In diesem Rennen hatte der in einem Maserati 250F startende bereits 46-jährige Juan Manuel Fangio (ARG) die Chance mit einem Sieg die Formel-1-Weltmeisterschaft vorzeitig für sich zu entscheiden und seinen Titel zu verteidigen. Fangio war der einzige im Fahrerfeld, der bereits auf dem Nürburgring Rennen für sich entscheiden konnte. Da das Starterfeld mit nur 14 Formel-1-Wagen recht klein ausfiel, entschied man sich dafür, das Formel 2 Rennen der Formel-2-Meisterschaft zusammen mit dem Grand-Prix stattfinden zu lassen. Hier trat Porsche mit dem Porsche 550 RS und den Fahrern Umberto Magioli und Edgar Barth an. Da die Fahrer der Formel 2 auch in die Formel-1-Statistik aufgenommen wurden, war dies sogesehen das erste Formel-1-Rennen, an dem Porsche teilnahm.

Beim Training unterbot Fangio von mit einer Zeit 9:25,6 seinen eigenen Rundenrekord um volle 16 Sekunden, 2,8 Sek. schneller als der zweitschnellste Peter Collins (GB), und konnte das Rennen von der Pole-Position aus starten.

Das Formel-1-Rennen

Fangio und sein Team hatten vermutet, dass ihr größter Konkurrent Ferrari mit harten Reifen und vollem Tank starten würde. Demnach sollte Ferrari ohne Boxenstopp das Rennen bestreiten können. Die weichen Pirelli-Reifen, die Maserati nutzte, würden aber nicht über die gesamte Renndistanz von 22 Runden halten. Daher musste Maserati mit einer Ein-Stopp-Strategie starten und ließ Fangio mit nur halbvollem Tank auf die Stecke, da der Stopp nicht vermeidbar war.

Den Start konnte Fangio trotz Pole-Position und wenig Gewicht nicht für sich entscheiden und wurde von seinem ehemaligen Teamkollegen und nun größten Konkurrenten Collins und Mike Hawthorne (GB), beide auf Ferrari Tipo 801, der auf dem Lancia D50 basierte, überholt. In Runde zwei stellte Collins mit 9:37,5 Minuten einen neuen Rundenrekord auf. Diesen behielt er jedoch nur für wenige Sekungen, denn kurz danach kam Fangio über die Ziellinie und verbesserte den Rekord auf 9:34,6 Min. In Runde drei konnte Fangio sich die Führung zurückholen und stellte mit 9:30,8 Min erneut einen Rundenrekord auf. Die Führung behielt er bis zur Mitte des Rennens, als er den geplanten Boxenstopp einlegen musste. Sein Vorsprung betrug auf die Verfolger gerade mal 28 Sekunden.

Im hinteren Feld kam es aufgrund von Wagenschäden zu diversen Ausfällen. Der Ring forderte mit seinen Steigungen, Gefällen und der unebenen Fahrbahn seinen Tribut.

Der Boxenstopp am Ende der Runde 12 hielt Fangio länger auf als geplant. Er verlor insgesamt 48 Sekunden auf die nun führenden Collins und Hawthorn, die unter sich um die Führung rangen. Fangio fuhr nach dem Stopp moderat und nahm Tempo herraus. Hawthorn und Collins verringerten im Glauben, dass Fangio Probleme hatte, das Tempo, da sie am Ende der 14. Runde das Schild "+48" an der Box gezeigt bekommen hatten. Nach zwei Runden auf der Strecke zog Fangio jedoch sein Tempo kontinuierlich wieder an, vermutlich hatten die neuen Reifen endlich die optimale Tempertur erreicht. Da damals an eine Sprechfunkverbindung zwischen Box und Fahrer nicht zu denken war, wähnte sich die Spitze in sicherer Führung. Der Argentinier brach seinen eigenen Nordschleifen-Rundenrekord noch mehrfach und verkürzte diesen im Laufe des Rennens um insgesamt 23 Sekunden. Bereits in den ersten zwei Runden seiner Aufholjagd machte er 24 Sekunden auf das Führungsduo wett. 

In der vorletzten Runde gelang Fangio, "El Chueco", das Krummbein, der Anschluss an die Spitze, die weiterhin auf ihren schon arg verbrauchten, harten Reifen unterwegs waren. Er konnte Collins in der Kurve der "Esso-Terrasse" kassieren. Am Ende der anschließenden Geraden war Fangio jedoch zu schnell, musste seinen Maserati quer stellen um Geschwindigkeit abzubauen und rutschte fast von der Strecke. Collins sah seine Chance und ging an Fangio wieder vorbei. Im Abschnitt "Hatzenbach" ging Fangio wieder an Collins vorbei. Danach griff er den führenden Hawthorn an und konnte diesen mit einem gewagten Manöver im Bereich Breidscheid/Bergwerk, bei dem Fangio schon fast neben der Stecke fuhr, auch noch überholen. In der letzten Runde konnte Fangio seine Führung trotz Attacken seiner Kontrahenten verteidigen und ging mit drei Sekunden Vorsprung nach dreieinhalb Stunden Rennen als Sieger über die Ziellinie.

Durch die ausgeklügelte Taktik konnte Fangio und Maserati das Rennen für sich entscheiden, dass unter Rennhistorikern als eines der besten Rennen aller Zeiten gilt. Er wurde damit zum fünften Mal Weltmeister. Für ihn war es der 24. und letzte Sieg seine Karriere, ebenso für Maserati, die sich aus finanziellen Gründen aus der Formel 1 zurückzogen.

Formel 2

In der Formel-2-Wertung kam es zu einem Duell zwischen Edgar Barth (D) und Umberto Magioli (IT) auf Porsche und den Fahrern des Cooper-Rennteams. Die Cooper-Fahrer Jack Brabham (AUS) und Roy Salvadori (GB) schieden jedoch aufgrund technischer Probleme aus, in Runde 13 erlitt der Porsche von Magioli einen Motorschaden. Der Sieg in der Formel-2-Wertung ging an Barth auf Porsche.

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Pole-Position #1, Juan Manuel Fangio,
Officine Alfieri Maserati,
Maserati 250F,
9.25,6 Min. = 141,17 km/h
Gestartet 24
Gewertet 15
Nicht gewertet 9
Sieger #1, Juan Manuel Fangio,
Officine Alfieri Maserati,
Maserati 250F,
22 Runden, 3:30,.38,3 = 142,9 km/h
Schnellste Runde #1, Juan Manuel Fangio,
Officine Alfieri Maserati,
Maserati 250F,
9:17,4 Min. in Runde 20

Gesamtergebniss

  # Kls. Team Fahrer Wagen Rnd. Zeit
1   F1 Officine Alfieri Maserati Juan Manuel Fangio Maserati 250F 22 3:30:38,3
2   F1 Scuderia Ferrari Mike Hawthorn Ferrari 801 22 + 03,6
3   F1 Scuderia Ferrari Peter Collins Ferrari 801 22 + 35,6
4   F1 Scuderia Ferrari Luigi Musso Ferrari 801 22 + 3:37,6
5   F1 Vandervell Products Ltd. Stirling Moss Vanwall VW57 22 + 4:37,5
6   F1 Officine Alfieri Maserati Jean Behra Maserati 250F 22 + 4;38,5
7   F1 Officine Alfieri Maserati Harry Schell Maserati 250F 22 + 6:47,5
8   F1 Scuderia Centro Sud Masten Gregory Maserati 250F 21 + 1 Runde
9   F1 Vandervell Products Ltd. Tony Brooks Vanwall VW57 21 + 1 Runde
10   F1 Officine Alfieri Maserati Giorgio Scarlatti Maserati 250F 21 + 1 Runde
11   F1 privat Bruce Halford Maserati 250F 21 + 1 Runde
12   F2 Dr. Ing. F. Porsche KG Edgar Barth Porsche 550RS 21 + 1 Runde
13   F2 JB Naylor Brian Naylor Cooper-Climax T43 20 + 2 Runden
14   F2 Ecurie Maarsbergen Carel Godin de Beaufort Porsche 550 RS 20 + 2 Runden
15   F2 Ridgeway Management Tony Marsh Cooper Climax T43 17 + 5 Runden
Nicht gewertet
DNF   F1 Scuderia Centro Sud Hans Herrmann Maserati 250F 13 Chassis
DNF   F2 Dr. Ing. F. Porsche KG Umberto Maglioli Porsche 550 RS 13 Motorschaden
DNF   F2 Cooper Car Co. Roy Salvadori Cooper-Climax 11 Aufhängung
DNF   F1 Franzisko Godia-Sales Paco Godia Maserati 250F 10 Lenkung
DNF   F1 Vandervell Products Ltd. Stuart Lewis-Evans Vanwall VW57 10 Getriebe
DNF   F2 Cooper Car Co. Jack Brabham Cooper-Climax T43 6 Kraftübertragung
DNF   F2 Ridgeway Management Paul England Cooper-Climax T41 4 Zündverteiler
DNF   F2 R. Gibson Dick Gibson Cooper-Climax T43 3 Aufhängung
DNF   F1 HH Gould Horace Gould Maserati 250F 2 Achsschaden

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Text: Christoph de Haar

Fotonachweise:
Aufmacherfoto ganz oben: Juan Manuel Fangio an der Box (Foto: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg)

Foto 1: Parkplatz im Wald (Foto: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg)
Foto 2: Zielgerade und Rundentafel (Foto: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg)

Foto 3: Start von vorne (Foto: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg)
Foto 4: Start von hinten (Foto: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg)
Foto 5: Zwei Wagen an der Zieltribüne (Foto: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg)
Foto 6: Zwei Wagen jagen sich (Foto: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg)
Foto 7: Juan Manuel Fangio im Maserati (Foto: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg)
Foto 8: Juan Manuel Fangio an der Box (Foto: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg)
Foto 9: Fangio auf dem Ehrenpodium (Foto: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg)

Foto 10: Fangio mit Siegerkranz (Foto: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg)

Quellen:
Förster, W.: Faszination Nürburgring; Heel; 2011
Reuß, E.: Grand Prix – 70 Jahre Großer Preis von Deutschland, Motorbuch Verlag, 1997, ISBN 3-613-01836-5
Peter Higham: Guinness Guide To International Motor Racing, Guinness Publishing Ltd., ISBN 0-85112-642-1
Großer Preis von Deutschland 1957 – Wikipedia
Saison 1957 auf Motorsport-magazin.com
trackthoughts.com