5. Int. ADAC Eifelrennen 1931

  • 5. Int. ADAC Eifelrennen 1937
  • Veranstalter: ADAC Gau Rheinland (IV)
  • Südschleife, 7,747 km
  • 40 Runden = 309.9 km
  • ca. 50.000 Zuschauer
  • Wetter: wechselhaft, trocken beim Start, Schauer während des Rennens

07.06.1931

Das fünfte ADAC Eifelrennen wunrde in diesem Jahr auf der Südschleife ausgetragen. Im Motorradrennen gingen 35 Motorräder und sieben Gespanne an den Start, im Wagenrennen waren es 16 Starter. Ursprünglich war das Wagenrennen über 50 Runden geplant, dies wurde jedoch später auf 40 Runden mit einer Gesamtlänge von 309,9 km geändert.

Man nahm von der Praxis der Klassenschnellsten Abstand und nur die zehn schnellsten Fahrer der Gesamtwertung konnten Geldpreise gewinnen. Der Sieger sollte zusätzlich den "Goldenen Nürburgring" als Fingerring mit dem Titel "Sieger des ADAC-Eifelrennen für Rennwagen 1931" erhalten. Die Geldpreise für die zehn schnellsten Autos waren 4000 Mark für den ersten Platz, 3000 Mark für den zweiten, dann 2000 Mark, 1500 Mark, 1250 Mark, 1000 Mark, 750 Mark, 500 Mark, 300 Mark und 200 Mark für den zehnten Platz.

Anmeldungen

Es gab insgesamt 22 Meldungen. Davon waren 14 Bugattis, vier Mercedes-Benz, zwei Amilcars und jeweils ein Salmson und DKW. Frühe Anmeldungen kamen von Rudolph Carrachiola und dem jungen Manfred von Brauschitsch, beide auf Mercedes-Benz SSKL. Von Brauchitsch hatte bereits einige Erfahrung aus Bergrennen aber es war sein erstes Rennen über eine so lange Distanz. Die beiden anderen Mercedes-Fahrer waren der 26-jährige Verleger Otto Spandel und Dr. Eugen Winter, beide Mercedes SSK. Winter hatte in Folge eines Unfalls eine Behinderung und konnte gerade noch einen Arm zum Schalten benutzen. Daher wurde er immer von seiner Ehefrau beim Rennen begleitet, damit sie ihren Mann bei Schwierigkeiten helfen konnte. Die Mercedes-Wagen starteten jedoch nicht wie in früheren Jahren als Werksteam. Infolge der Weltwirtschaftskrise engagierte sich die Daimler-Benz AG in den Jahern 1931 und 1932 nicht direkt im Motorsport. Dennoch unterstützte das Werk diskret einige namenhafe Privatfahrer.1

Gegen die Mercedes-Truppe trat das Deutsche Bugatti-Team mit dem Vorjahressieger Heinrich-Joachim von Morgen, Ernst-Günther Burggaller und Prinz Hermann zu Leiningen in den flinken und wendigen Boliden aus Molsheim an. Weitere Meldungen auf Bugattis wurden von Albert Broschek, Willi Seibel, Hans Simons, Dr. Heinz Risse, Mathilde Schulz, Friedrich Dilthey, aus Luxemburg Josef Zigrand und Constant Knepper, die beiden Franzosen Pierre Vogt und Marcel Boucly, Rudolf Städtgen und Fritz Kortylewski abgegeben. Die Kleinwagen-Klasse wurde von den Amilcar-Fahrern August Frings und Carl Raetz vertreten. Bereits zum zweiten Mal wurde ein DKW mit Frontantrieb auf dem Nürburgring eingesetzt, gefahren von Hans Teisen mit einem 500 ccm 2-Zylinder-2-Takt-Motor, das einizige Fahrzeug, dass mit Kotflügeln ausgestattet war.

Training

Das offiziellen Trainings fanden am Donnerstag, Freitag und Samstag jeweils von 14 bis 18 Uhr statt. Die Abnahme der Wagen durch die technischen Kommissare fand am Samstag von 10 bis 12 Uhr im Nürburgring-Fahrerlager statt.

Das Motorradrennen

Der Renntag begann am Sonntag um 10 Uhr bei stark bewölktem Himmel. Etwa 50.000 Besucher waren zum Nürburgring gekommen. Damit erfüllte der Besucherandrang nicht die Erwartungen. Nicht alle der teueren Tribühnenkarten gingen weg, aber dafür waren vergleichsweise viele Besucher am Rand der Stecke zu finden, möglicherweise bedingt durch schwierige wirtschaftliche Lager dieser Zeit.

In diesem Jahr wurde das Rennen nicht wie im Vorjahr in einzelne Läufe der verschiedenen Klassen aufgeteilt. 35 Motorräder und sieben Gespanne gingen in die Startaufstellung. Alle starteten in einen gemeinsamen Rennen über 40 Runden, wobei die Gespanne am Ende des Starterfelds ins Rennen gingen und bereits nach 26 Runden abgewunken werden sollten.

Paul Rüttchen (NSU) führte am Ende erste Runde das Feld an, mit einigem Abstand gefolgt von Toni Bauhofer, ebenfalls auf NSU. Danach kamen Brand auf Victoria, Kratz auf BMW und Klein auf Horex. Im Laufe des Rennes kam es zu einigen Ausfällen und Stürzen, darunter auch nach gut der Hälfte der Renndistanz der führende Rüttchen. Er konnte zwar nach dem Sturz das Rennen fortsetzten, hatte aber dadurch einen Rückstand von rund fünf Minuten. Mit diesem Vorsprung konnte der bis dahin an zweiter Stelle liegende Bauhofer die Führung übernehmen und gab diese bis zum Ende des Rennens bei einer Fahrzeit von 3:07h nicht wieder her.

Josef Möritz gewann das Rennen der Gespanne auf Victoria mit einer Fahrzeit von 2:17h. Nach dem Motorradrennen wurde einen Pause von etwa eine Stunde eingelegt. Dann bereitete man sich auf das Hauptrennen des Tages vor.

Ergebnis Motorräder Plätze 1-3

  # Team Fahrer Motorrad Rnd. Zeit (Std.)
1 k.A. k.A. Toni Bauhofer DKW 40 3:07:11.1
2 k.A. k.A. Paul Rüttchen NSU 40 3:08:48.3
3 k.A. k.A. Josef Klein Horex 40 3:11:28.3

Ergebnis Seitenwagen bis 350 ccm Platz 1

  # Team Fahrer Motorrad Rnd. Zeit (Std.)
1 k.A. k.A. Paul Schneider Veloctte 26 2:27:25.3

Ergebnis Seitenwagen bis 1000 ccm Plätze 1-3

  # Team Fahrer Motorrad Rnd. Zeit (Std.)
1 k.A. k.A. Josef Möritz Victoria 26 2:17:04.0
2 k.A. k.A. Paul Weyres Harley-Davidson 26 2:23:49.2
3 k.A. k.A. Willy Ehrlenbruch Tornax 26 2:38:12.2
Das Wagenrennen

Drei große umgebaute Mercedes-Benz Sportwagen, elf Bugattis, ein Amilcar und ein DKW wurden im Rennen über 40 Runden auf der anspruchsvollen Südschleife eingesetzt. Die Autos reihen sich in der Startbereich in der Reihenfolge ihrer Startnummern auf, die von den Organisatoren zugewiesen wurden. Das Deutsche Bugatti-Team belegte die erste Reihe, gefolgt von den Mercedes-Benz-Fahrern. Heinrich-Joachim von Morgen startete von Platz 1, Rudolf Caracciola im Mercedes von Platz Nr. 5. Caracciola und von Morgen waren beide Favoriten, der eine für die Mercedes Anhänger, der andere für die Bugatti-Enthusiasten. Sechs der 22 angemeldeten Fahrer traten nicht an und deren Startplätze blieben leer. Die meisten Fahrer fuhren alleine, ausser Dr. Winter, der seine Frau als Beifahrerin hatte, und Ständgen in seinem Bugatti. Der DKW, das einige Auto mit Kotflügeln, startete aus letzter Reihe.

Um 14.30 Uhr wurde das Rennen der 16 Wagen gestartet. Von Morgen konnte die erste Position nur kurz halten und wurde schon vor der Südkehre von Carracciolas Mercedes überholt. Regen setzte ein. Kneppers Bugatti rutschte schon nach einem knappen Kilometer in einer Rechtskurve von der Piste und überschlug sich. Von Brauchtisch, der unmittelbar hinter Knepper fuhr, konnte noch ausweichen. Knepper fiel aus dem Wagen und hatte durch den Unfall eine leichte Stirnverletzung. Ein Arzt diagnostizierte später nur eine leichte Gehirnerschütterung.

In der zweiten Runde konnte sich von Morgen die Führung wieder erkämpfen, doch nur eine Runde später musste er diese wieder an Carracciola abgeben. Hinter ihnen folgten Burggaller, von Brauchitsch und zu Leiningen. Carracciola konnte die Führung für die nächsten Runden halten. In Runde 10 hatte zwei Sekunden Vorsprung auf von Morgen bei einem Schnitt von 108.5 km/h.

In Runde 15 hatte von Morgen die Führung zurück und fuhr die Runde im Schnitt mit 109,9 km/h, Caracciola mit 109,7 km/h. Von Brauchitsch hatte sich auf den dritten Platz vorgekämpft.

Runde 22 gab die Wendung. Von Morgen war mit wenig Sprit im Tank gestartet um vom Start weg ein möglichst schnelles Auto zu haben. Daher musste er zum Nachtanken und Reifen wechseln. Der Boxenstopp kostete von Morgen 2 Min. 47 Sek. Er hatte möglicherweise nicht damit gerechnet, dass Caracciola draussen bleibt und nicht an die Box fährt. Jetzt hatte "Karratsch" einen Vorsprung von fast einer halben Runde.

In Runde 25 hatte von Morgen bereits neun Sekunden der verlorenen Zeit aufgeholt. In der Zwischenzeit musste Prinz zu Leiningen mit Kupplungsschaden2 ausscheiden und verließ sein Auto an der Kehre Scharfer Kopf. Mathilde Schulz musste mit in ihrem 1,5-Liter-Bugatti in Runde 30 mit defekten Motor aufgeben.

Im weiteren Rennverlauf konnte von Morgen den Abstand zwar verringern, kam aber nicht mehr auf Schlagdistanz an Caracciola heran. Caracciola gewann das Rennen mit 2 Minuten und 20 Sekunden Vorsprung. Die Renntaktik gab am Ende den entschiedenen Ausschlag.

Der junge von Brauchitsch (Mercedes-Benz) beendete das Rennen auf Rang drei, gefolgt von Seibel (Bugatti), Winter (Mercedes-Benz), Zigrand, Risse, Kortylewski, Städtgen (alle Bugatti) und Theisen (DKW) zuletzt auf dem zehnten Platz. Sechs Fahrer mussten aufgeben, darunter Burggaller und zu Leiningen, die mit von Morgen aus der ersten Reihe starteten und in der ersten Hälfte des Rennens vorne mitfahren konnten.

Pole-Position #1, Heinrich-Joachim von Morgen,
Automobiles Ettore Bugatti,
Bugatti T35B
Gestartet 16
Gewertet 10
Nicht gewertet 6
Sieger #5,  Rudolf Caracciola,
Privatfahrer,
Mercedes-Benz SSKL,
40 Runden, 2:50.47,2 Std = 109,6 km/h3
Schnellste Runde #1, Heinrich-Joachim von Morgen,
Automobiles Ettore Bugatti,
Bugatti T35B,
110,4 km/h

Ergebnis Wagenrennen

  # Team Fahrer Wagen Rnd. Zeit (Std.)
Rückst. (Std.)
1 5 Privatfahrer Rudolf Caracciola Mercedes-Benz SSK 40 2:50:47,2
-
2 1 Automobiles Ettore Bugatti Heinrich-Joachim von Morgen Bugatti T35B 40 2:53:06.4
0:02:19,2
3 6 Privatfahrer Manfred von Brauchitsch Mercedes-Benz SSK 40 3:00:22.3
0:09:35,1
4 17 Privatfahrer Willy Seibel Bugatti T37 40 3:16:56.3
0:26:09,1
5 7 Privatfahrer Eugen Winter Mercedes-Benz SSK 40 3:21:12.2
0:30:59,0
6 9 Privatfahrer Josef Zigrand Bugatti T35B 40 3:29:27.1
0:38:39,9
7 18 Privatfahrer Heinz Risse Bugatti T37 40 3:37:05.5
0:46:17,8
8 19 Privatfahrer Fritz Kortzylewski Bugatti T37 40 3:43:24.2
0:52:37,1
9 14 Privatfahrer Rudolf Stadtgen Bugatti T35C 40 4:05:40.2
1:14:53,1
10 23 Privatfahrer Hans Theisen DKW (0,5 Liter) 40 4:24:44.2
1:33:57,0
Nicht gewertet Grund
DNF 2 Automobiles Ettore Bugatti Ernst-Günther Burggaller Bugatti T35B 33 Motor
DNF 16 Privatfahrer Mathilde Schulz Bugatti T37 29 Motor
DNF 3 Automobiles Ettore Bugatti Hermann zu Leiningen Bugatti T35B 25 Kupplung2
DNF 20 Privatfahrer Fritz Dilthey Bugatti T22    
DNF 22 Privatfahrer August Frings Amilcar    
DNF 10 Privatfahrer Constant Knepper Bugatti T43A   Unfall
Nicht gestartet/nicht erschienen
DNS 4 k.A. Albert Broschek Bugatti T35B    
DNS 8 k.A. H. Lauenstein Mercedes-Benz SSK    
DNS 11 k.A. Pierre Voigt Bugatti T35C    
DNS 12 k.A. Marcel Boucly      
DNS 15 k.A. Hans Simons Bugatti T37    
DNS 21 k.A. Carl Raetz Amilcar    

 Zur Übersicht "Chronologie 1931"


Text: Christoph de Haar
Teaserfoto: Daimler AG
Quellen und Links:

kolumbus.fi/leif.snellman (abgerufen am 22.12.2018)
driverdb.com (abgerufen am 22.12.2018)
teamdan.com (abgerufen am 22.12.2018)

Behrndt, Mi./Födisch, J-T./Behrndt, Ma.: ADAC Eifelrennen, Heel, 2009, ISBN 978-3-86852-070-5
Ludvigsen, K.: Die deutsche Rennsportgeschichte, GeraMond, 2012, ISBN 978-3-86245-674-1

Einzelnachweise:
1. Ludvigsen, K.: Die deutsche Rennsportgeschichte, S. 59, GeraMond, 2012, ISBN 978-3-86245-674-1
2. Quellen nicht eindeutig ob Kupplungs- oder Motorschaden
3. mercedes-benz-publicarchive.com (abgerufen am 22.12.2018)