5. Juni 1966: 12. ADAC-1000-km-Rennen

Hauptkategorie: Rennberichte
  • Nordschleife
  • Distanz: 44 Runden = 1003,640 Kilometer
  • 6. Lauf zur Sportwagen-Weltmeisterschaft 1966
  • 3. Lauf Deutsche Automobil Rundstrecken Meisterschaft 1966
  • 3. Lauf Challenge Mondiale 1966
  • Gemeldet: 101
  • Gestartet: 72
  • Gewertet: 32
  • Rennklassen: 12
  • Zuschauer: 250000
  • Wetter am Renntag: warm und trocken, Regen am Rennende

1966 versuchte das ZDF erstmals Fernsehbilder aus einem fahrenden Rennauto zu übertragen und setzte einen Porsche 904 GTS (#66) als Kamerawagen ein. Der Wagen wurde von den  Journalisten Paul Frère und Rainer Günzler gesteuert. Trotz des großen rechts neben dem Fahrer angebrachten Aufnahmegerät erreichte der Wagen im Training eine Rundenzeit von 9:36 Minuten und damit einen Startplatz im Mittelfeld. Vermutlich elektrische Störungen beeinträchtigten allerdings die Qualität der gesendeten Schwarz-Weiß-Bilder. Auch die Tonqualität war so schlecht, dass man beim ZDF auf den Live-Kommentar verzichtete. Trotz des Zusatzgewichtes durch die TV-Technik qualifizierte sich das Duo im Training für den 26. Startplatz. Im Rennen gab es 18 Runden lang Live-Bilder aus dem Cockpit eines Rennwagens.

Porsche 904 GTS mit der Startnummer 66; Der ZDF-Kamerawagen, gefahren von Paul Frère und Rainer Günzler
Der ZDF-Kamerawagen, ein Porsche 904 GTS (#66), gefahren von Paul Frère und Rainer Günzler

Das ungewöhlichste Fahrzeug war eindeutig der US-amerikanische Chaparral 2D des Teams von Jim Hall. Es hatte eine Zweigang-Automatik und einen Chevrolet-Zweiventil-Saug-V-8-Motor. Bei der technischen Abnahme wurde bei der Sitzprobe festgestellt, dass die Sicht nach hinten nur sehr eingeschränkt möglich war. Ein Spiegel musste her. Nachdem dieser an der linken Fahrzeugseite angebracht war, wurde der Wagen problemlos abgenommen. Das Duo Joakim Bonnier und Phil Hill sollten das Fahrzeug zum Sieg fahren.

Auch Porsche hatte mit Abnahmeschwierigkeiten zu kämpfen. Laut technischem Reglement war zwischen der Sitzauflage des Fahrersitzes und der Dachbespannung ein Abstand von 88 cm vorgeschrieben. Bei den 906ern betrug dieser Abstand nur 85 cm. Doch Porsche hatte Glück: da auch bei Fahrzeugen von Mitbewerbern wurden kleine Abweichungen vom Reglement festgestellt. Alle beanstandeten Teams einigten sich jedoch auf Proteste nach dem Rennen zu verzichten, also konnten alle Porsche 906er zugelassen werden.

Team Charles Vögele, Porsche 906
Porsche 906 des schweizer Team Charles Vögele, gefahren von Jo Siffert

Porsche wollte nicht alles auf eine Karte setzten und brachte seine 906er mit verschiedenen Motoren in die Eifel. Drei 906E mit Sechszylinder-Einspritzmotor wurden von Bob Bondurant/Paul Hawkins, Hans Herrmann/Dieter Glemser und Udo Schütz/Günter Klass gefahren, Jochen Rindt und Nino Vaccarella starteten hingegen in einem 906 mit 2-Liter-Achtzylinder-Motor. Den fünften Werks-906 fuhren Jean-Pierre Beltoise und Peter Nöcker.

Ferrari setzte bei seinen drei Werkswagen auch unterschiedliche Konzepte ein. John Surtees und Mike Parkes fuhren einen 330P Spyder mit V12-Motor und einer Leistung von 420 PS. Die Fahrerteams Ludovico Scarfiotti/Lorenzo Bandini und Pedro Rodríguez/Richie Ginther gingen jeweils mit einem Dino 206S auf die Stecke. Die Dinos hatten 6-Zylinder-Mittelmotoren, waren leistungsschwächer aber dafür leichter und handlicher. Des Weiteren gab es auch Werksteams von Autodelta, Abarth, Alpine und Lancia.

John Surtees fuhr im Training in 8:31,9 Minuten (Schnitt 161,515 km/h1) die schnellste Runde und qualifizierte sich damit für den vordersten Startplatz. Bonnier, Rindt und Scarfiotti standen nacheinander dahinter. 77 Wagen hatten sich für das Rennen qualifiziert, davon waren 30 Prototypen, 30 Sportwagen und 17 GT-Fahrzeuge. Gestartet wurde in klassischer Le-Mans-Manier: De Fahrer sprinteten quer über die Fahrbahn zu Ihren nebeneinander nur leicht in Fahrtrichtung zeigenden Wagen und sahen zu am besten wegzukommen. Scarfiotti hatte in seinem 6-Zylinder Dino die Nase vorn, konnte den Start für sich entscheiden und bog als erster in die Südkehre ein. Jochen Rindt kam mit seinem Porsche wegen Kupplungsproblemen verzögert auf die Stecke.

Doch schon in der ersten Runde wurde ihm die Führung vom Ferrari-Kollegen Surtees im 12-Zylinder abgenommen. Ebenfalls in dieser Runde verabschiedete sich der Ford GT 40 von John Whitmore mit gebrochener Hinterradaufhängung und der Abarth von Kurt Ahrens quittierte den Dienst durch einen Schaden an der Benzinpumpe. Der Fort GT 40 von Skip Scoot und Peter Revson nebelte durch einen Ölverlust die Stecke und seine Verfolger dermaßen ein, dass Bob Bondurant am Ende des erste Durchlaufs die Porsche-Box ansteuern musste um die Frontscheibe reinigen zu lassen. Der Ford hingegen musste deswegen das Rennen aufgeben. Nach der ersten Runde hatte sich das Feld wie folgt hinter Surtees sortiert: Scarfiotti (Ferrari) auf zwei, Bonnier auf seinem Chapperal auf drei, Udo Schütz auf vier und Hans Herrmann auf fünf (beide Porsche). Schon in der zweiten Runde legte Surtees mit 8:37 Min. (163,512 km/h1) die schnellste Rennunde hin. Bonnier konnte nun den zweiten Platz Scarfiotti abnehmen, Jochen Rindt lag durch seine bravuröse Aufholjagt bereits auf acht. Surtees hatte sich einen Vorsprung von deutlich über einer Minute vor Bonnier erkämpft, als sich in der sechsten Runde die Hinterradaufhängung seines Ferrari P3 löste und der Reifen an der Karrosserie scheuerte. Sein Weg führte Ihn direkt in die Box. Dort übernahm Mike Parks den Wagen und konnte als 22. das Rennen fortsetzten. Rindt hatte sich bis an die zweite Position gekämpft, direkt hinter Bonnier, musste aber mit Übelkeit kämpfen und in der siebten Runde den Porsche an Nino Vaccarella übergeben. Bonnier fuhr mit seinem Automatik-Renner vorweg gefolgt vom Dino 206 S des Duos Scarfiotti/Bandini.

Im Laufe des Rennen wechselten Surtees und Rindt wieder auf ihre Fahrzeuge, doch beide konnten das Rennen nicht beenden. Die andauernden Probleme mit der Radaufängung am Ferrari und ein Defekt am Rahmen des Porsches waren die Gründe. Auch der in der 37. Runde einsetztende Regen konnte den Chapparal nicht vom Sieg abhalten. Trotz schlechter Sichtverhältnisse durch den äusserst kleinen Scheibenwischer konnte das Team Bonnier/Hill den Sieg nach Hause fahren.

Gesamtklassement Plätze 1 bis 10
  1. Joakim Bonnier / Graham Hill (7) im Chaparral 2D Chevrolet, 6:58:47,6 h, 143,8 km/h, 44 Runden
  2. Ludovico Scarfiotti / Lorenzo Bandini (11) im Ferrari Dino 206 S, 6:59:29,2 h, 143,5 km/h, 44 Runden
  3. Pedro Rodriguez / Richie Ginther (12) im Ferrari Dino 206 S, 7:00:02,4 h, 143,4 km/h, 44 Runden
  4. Bob Bondurant / Paul Hawkins (17) Porsche 906 E, 7:06:52,8 h, 141,0 km/h, 44 Runden
  5. Jo Schlesser / Guy Ligier (45) im Ford GT40, 7:03:22,4 h, 139,0 km/h, 43 Runden
  6. Peter Sutcliffe / John Taylor (50) im Ford GT40, 7:05:16,7 h, 138,4 km/h, 43 Runden
  7. David van Lennep / Gijs van Lennep (60) im Porsche 906, 6:59:28,7 h, 137,0 km/h, 42 Runden
  8. Sten Axelsson / Boo Johansson (62) im Porsche 906, 7:00:02,9 h, 136,8 km/h, 42 Runden
  9. Willy Mairesse / Herbert Müller (48) im Ferrari 250 LM, 7:00:15,9 h, 136,7 km/h, 42 Runden
  10. Gerhard Koch / Herbert Linge (64) im Porsche 906, 7:01:35,8 h, 136,4 km/h, 42 Runden
Klassensieger
  • Klasse Prototyp über 2.000 ccm: Joakim Bonnier / Phil Hill, Chaparral 2D, Gesamtsieg
  • Klasse Prototyp bis 2.000 ccm: Ludovico Scarfiotti / Lorenzo Bandini, Ferrari Dino 206S, Rang 2
  • Klasse Prototyp bis 1.600 ccm: Reinhold Joest / Hermann Dorner, Porsche 356B 1600 , Rang 23
  • Klasse Prototyp bis 1.300 ccm: Manfred Abels / Erich Bitter, Abarth 1300 OT, Rang 17

  • Klasse Sportwagen über 3.000 ccm: Jo Schlesser / Guy Ligier, Ford GT40, Rang 5
  • Klasse Sportwagen bis 2.000 ccm: Gijs van Lennep / David van Lennep, Porsche 906, Rang 7
  • Klasse Sportwagen bis 1.600 ccm: Lucien Bianchi / Herbert Schultze, Alfa Romeo Giulia TZ2, Rang 13
  • Klasse Sportwagen bis 1.300 ccm: Johannes Ortner / Kurt Ahrens / Ernst Frutmayr / Wolf-Dieter Mantzel, Abarth 1300 OT, Rang 14

  • Klasse GT über 2.000 ccm: Helmut Felder / Frank Kalkuhl, Ferrari 275 GTB, Rang 25
  • Klasse GT bis 2.000 ccm: Joseph Greger / Carl-Gregor Auer, Porsche 911, Rang 19
  • Klasse GT bis 1.600 ccm: Erhard Sailer / Konrad Lammers, Porsche 356C 1600 SC, Rang 28
  • Klasse GT bis 1.300 ccm: Luigi Foschi / Luigi Malanca, Lancia Fulvia HF, Rang 31
Renndaten
  • Fahrzeit des Siegerteams: 6:58:47,600 Stunden
  • Gesamtrunden des Siegerteams: 44
  • Renndistanz Sieger: 44 Runden = 1003,640 Kilometer
  • Siegerschnitt: 143,790 km/h
  • Pole Position: John Surtees - Ferrari 330 P3 Spyder (#1) – 8:31,900 = 161,515 km/h1
  • Die schnellste Runde fuhr John Surtees mit 8:37 Minuten = 163,512 km/h1.

Einen Bericht mit sehr ausfühlicher Bildergalerie finden Sie unter http://www.pro-steilstrecke.de/1000km/nuerburgring_1000_km_rennen_1966.php


Fotos: Lothar Spurzem, CC BY-SA 2.0
Aufmacherfoto oben: Der Siegerwagen des 1000-km-Rennens von 1966 während des Trainings im Streckenabschnitt Karussell, Foto: Lothar Spurzem

Quellen und Literatur:
Michael Behrndt, Jörg-Thomas Födisch, Matthias Behrndt: ADAC 1000 km Rennen. HEEL Verlag, Königswinter 2008
Udo Klinkel, Jan Hettler: 1000-Kilometer-Rennen 1953–1983 – die Sportwagen-WM-Läufe des ADAC auf der Nürburgring-Nordschleife, Verlag Delius Klasing 2015

Pro Steilstecke
racingsprtscars.com
Wikipedia

1) Durchschnittsgeschwindigkeit auf Basis von 22,81 km Streckenlänge errechnet. Quellen nennen hier unterschiedliche Durchschnittsgeschwindigkeiten.