Großer Preis der Nationen 1929

  • Großer Preis der Nationen 1929

14. Juli 1929

Der Große Preis der Nationen wurde vom AvD veranstaltet. Ursprünglich sollte das Rennen der "Große Preis von Deutschland" genannt werden, aber da die Bezeichnung für Rennwagenveranstaltungen vorgesehen war, wurde das auch für Sportwagen ausgeschriebene Rennen anders benannt. Dieser Name wurde jedoch nur einmalig genutzt die Rennen mit Grand-Prix- bzw. Rennwagen sollten in der Folge auch in Deutschland an Ansehen gewinnen und die Sportwagenrennen in den Hintergrund drängen.

Das Rennen war über 18 Runden je 28,265 km, entsprechen 508,77 km Gesamtstrecke, ausgeschrieben. Dem Sieger winkte ein Preisgeld von 30.000,- RM, der Zweitplatzierte sollte 20.000,- RM erhalten. Als Neuerung mussten in diesem Jahr die Sportwagen nun nicht mehr viersitzig sein, ein Beifahrer war dennoch vorgeschrieben. Der Wegfall der hinteren Sitzreihe bescherte dem bisher so erfolgreichen Mercedes-Benz SS Viersitzer den Buchstaben "K" für "kurz", da der Radstand auf 2950 mm verkürzt werden konnte.

Startvorbereitungen an den Bugatti Boxen. Wertungsgruppe II über 1500-3000-ccm (roter Querstreifen auf der Motorhaube). Zur besseren Unterscheidung der Team-Mitglieder, hatte man auf der Motorhaube einen Farbstreifen aufgemalt.
Startvorbereitungen an den Bugatti Boxen: Zur besseren Unterscheidung der Team-Mitglieder hatte man auf der Motorhaube einen Farbstreifen aufgemalt.

Die Trainingszeiten hatten noch keinen Einfluss auf die Startaufstellung. Das dennoch der Trainigsschnellste, Rudolf Caracciola (Mercedes-Benz SSK), den ersten Startplatz belegte, lag nur an der frühzeitigen Nennung, nicht an der im Training gefahrenen Zeit. Die Sportwagen mit über 3.000 ccm standen ganz vorne, danach folgen die Fahrzeuge bis 3.000 ccm, zuletzt kamen die Wagen bis zu 1.500 ccm. Damit keiner der Teilnehmer mit der (Unglücks-)Zahl "13" starten musste, wurden nur gerade Startnummern vergeben.

Die Mercedes-Benz Mannschaft von links: Rudolf Caracciola, Georg Kimpel, Otto Spandel, August Momberger, Graf Arco-Zinneberg, Adolf Rosenberger und Willy Rosenstein. Rennleiter Neubauer (sitzend).
Die Mercedes-Benz Mannschaft von links: Rudolf Caracciola, Georg Kimpel, Otto Spandel, August Momberger, Graf Arco-Zinneberg, Adolf Rosenberger und Willy Rosenstein. Rennleiter Neubauer (sitzend).
Max Graf Arco-Zinneberg und August Momberger (Startnummer 10) mit einem Mercedes-Benz Typ SSK.
Max Graf Arco-Zinneberg und August Momberger (#10) mit einem Mercedes-Benz Typ SSK.

In den letzten Jahren dominierten die großen Mercedes Benz Typen mit einem Hubraum von über 3.000 ccm das Renngeschehen. In diesem Jahr jedoch konnte Bugatti die Dominanz der Mercedes Benz Rennwagen brechen. Zwei Bugatti T 35 C (Wertungsgruppe II, über 1.500 ccm bis 3.000 ccm, roter Querstreifen auf der Motorhaube) belegten die ersten beiden Plätze. Louis Chiron (Bugatti) gewann das Rennen und fuhr auch die schnellste Rennrunde.

Der Sieger Louis Chiron mit Lorbeerkranz.
Der Sieger des "Großen Preis der Nationen" Louis Chiron mit Lorbeerkranz.

Graf Max von Arco-Zinneberg und August Momberger (#10) siegten mit einem Mercedes-Benz Typ SSK (Durchschnitt 101,6 km/h) in der Klasse der Sportwagen über 3.000 ccm. Sie erreichten damit den dritten Platz der Gesamtwertung. Der zweitplatzierte Wagen in der großen Klasse mit dem Team Willy Rosenstein und Adolf Rosenberger, ebenfalls auf Mercedes Benz SSK, kam als Sechster der Gesamtwertung ins Ziel.

Ernst Günther Burggaller (#36) auf Bugatti siegte in der Wertungsgruppe III über 750 – 1500-ccm und kam als achter ins Ziel.
Ernst Günther Burggaller (#36) auf Bugatti siegte in der Wertungsgruppe III über 750 – 1.500-ccm und kam als achter ins Ziel.

Ergebnisse*

  1. #28, Louis Chiron (MC), Bugatti T35C, 2 Liter, 18 Runden, 4:46:06,4 h    
  2. Georges Philippe (F), Bugatti T35C, 2 Liter, 18 Runden, + 11:45,8 min    
  3. #10, August Momberger (D) / Max von Arco-Zinneberg (D), Mercedes-Benz SSK, 18 Runden, + 14:31,4 min
  4. Guy Bouriat (F), Bugatti T35C, 2 Liter, 18 Runden, + 17:22,0 min
  5. Mario Lepori (CH, Privatfahrer), Bugatti T35B, 3 Liter, 18 Runden, + 20:06,2 min
  6. #12, Willy Rosenstein (D) / Adolf Rosenberger (D), Mercedes-Benz SSK, 18 Runden, + 23:14,7 min
  7. Eckhart von Kalnein (D), Bugatti T35B , 3 Liter, 17 Runden, + 1 Runde
  8. #36, Ernst Günther Burggaller (D, Privatfahrer), Bugatti T37A, 1,5 Liter, 17 Runden, + 1 Runde
  9. Diego de Sterlich (IT), Maserati 26B, 2 Liter, 17 Runden, + 1 Runde
  10. Hans Kersting (D, Privatfahrer), Bugatti T37A, 1,5 Liter, 17 Runden, + 1 Runde
  11. Francesco Pirola (IT, Privatfahrer), Alfa Romeo 6C 1500SS, 1,5 Liter, 16 Runden, + 2 Runden
  12. Berthold Stoll (D, Privatfahrer), Fiat 509, 1,5 Liter, 16 Runden, + 2 Runden
  13. Amedeo Ruggeri (IT, Privatfahrer), Maserati 26, 1,5 Liter, 16 Runden, + 2 Runden
  14. Gerhard Macher (D, Privatfahrer), DKW, 1,1 Liter, 16 Runden, + 2 Runden

Schnellste Rennrunde: Louis Chiron (Bugatti), 15:06,0 min = 112,31 km/h

DNF*

DNF, Karl Häberle (D), Hanomag, 1,1 Liter, 12 Runden
DNF, #2, Rudolf Caracciola (D), Mercedes-Benz SSK, 5 Runden, Motorschaden
DNF, Hans Simons (D, Privatfahrer), DKW 1,1 Liter, 4 Runden
DNF, #6 Eduard Klimberg (Estland, Privatfahrer), Renault 40 CV, 2 Runden, Reifenschaden
DNF, #4, Georg Kimpel (D), Mercedes-Benz SSK, 1 Runde
DNF, Ottokar Bittmann (CZ, Privatfahrer), Bugatti T35C, 2 Liter, 1 Runde
DNF, Helmut Butenuth (D), Hanomag, 1,1 Liter, 1 Runde
DNF, Hugo Urban-Emmerich (CZ), Talbot 70, 1 Runde
DNF, Birven (B, Privatfahrer), Imperia, 1,1 Liter
DNF, Anton Kahle (CZ, Privatfahrer), Zbrojovka Z2, 1,1 Liter   
DNF, Josef Mamula (CZ, Privatfahrer), Zbrojovka Z2, 1,1 Liter
DNF, Ernst Prochazka (CZ, Privatfahrer), Zbrojovka Z2, 1,1 Liter
DNF, Antonio Sartorio (IT, Privatfahrer), Alfa Romeo 6C, 2 Liter
DNF, Willy Scholl (D, Privatfahrer), Amilcar, 1,1 Liter
DNF, Ingemar Schulze (D, Privatfahrer), Bugatti T37A, 1,5 Liter
DNF, Willi Seibel (D, Privatfahrer), Bugatti T37A , 1,5 Liter
DNF, Karl Stohanzl (CZ, Privatfahrer), Zbrojovka Z2, 1,1 Liter
DNF, Karel Tunal Divisek (CZ, Privatfahrer), Zbrojovka Z2, 1,1 Liter

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Text: Christoph de Haar
Fotos: Daimler AG
Titelbild: von links: Startnummer 2 - Rudolf Caracciola mit Beifahrer Heinrich Kühnle. Startnummer 4 - Georg Kimpel mit Beifahrer Eugen Salzer, Startnummer 12 - Willy Rosenstein / Adolf Rosenberg. (Startnummer 6 - Renault).

Quellen und Links:
Daimler AG
Pro-Steilstecke (abgerufen am 1.1.2018)
Wikipedia (abgerufen am 1.1.2018)
racingsportscars.com (abgerufen am 1.1.2018)
* Ergebnisliste ohne Gewähr, die Quellen weichen voneinander ab